Wie viel Einwohner hat Kolochau?

(von F.Stoy)

 

Das lässt sich natürlich nur genau für die Jahre sagen, in denen gezählt wurde. Für alte Zeiten kann man die Zahl nur schätzen oder berechnen. Forscher berechnen nach einer Reduktionsziffer. Sie sagen: wenn man die Zahl der Haushalte weiß, setzt man für jeden Haushalt eine Zahl der Angehörigen fest und nimmt diese mal die Haushalte. Als solche Ziffer wird allgemein 4 angesetzt.

Nun kennt man für die ländliche Gemeinde aus alter Zeit wohl die Hüfner, Gärtner und Häusler, doch sind auf einem Hof öfters mehrere Familien. Besser ist die „Feuerstellen" anzusetzen. Dann erfasst man die „Inlieger" auch.

 

Für Kolochau kommt noch eine Schwierigkeit hinzu. Da gab es noch die Gutshöfe. Waren darauf die Besitzer selber wohnhaft oder saßen da nur die Pächter? Wie viel eigenes Personal an Dienern, Kutschern, Schäfern, Hofmeister und Schirrmeister hatten sie?

 

Daraus dürfte folgen, dass die errechneten Zahlen ungenau sind. Doch werden sie uns einen Anhalt geben.

 

1529 21 Hüfner, 13 Gärtner, 1 Pfarrer, 1 Küster, 2 Hirten, 1 Dorfschmied

und 3 (?) Haushalte auf dem einem Gut. Das sind 42 Haushalte mal 4

ergibt rund 170 Einwohner für Kolochau.


1542
werden dazu noch 16 Gesinde und Hausgenossen besteuert, also rund

190 Einwohner.

 

Auf dieser Höhe, abgesehen von einigen Schwankungen wird sich das Dorf bis zur Zeit des 30-jährigen Krieges halten, auch wenn sich die Einwohnerschaft nach und nach anders schichtet.

 

1609 also vor dem Krieg, saßen nach einer Musterungsliste im Dorf

18 Hüfner, 15 Gärtner, jetzt sind zwei Güter . Es dürfte sich unter

Anrechnung der nicht direkt „besessenen" Einwohner dieselbe

Einwohnerzahl wie 1529 ergeben.

 

1672 dagegen: 5 Hüfner, 6 Gärtner, die Güter so gut wie wüst, der Lehrer in

Malitschkendorf. Ob Hirte, Knecht, Schmied oder Magd? Nehmen wir

15 Herdfeuer an, dann zählt der Ort höchstens 60 Einwohner.

 

Sichere Unterlagen gibt es erst wieder für das Jahr 1788.

 

1788 25 Hüfner und Gärtner, 2 Adelshöfe die aufgeblüht sind und viel

Personal haben, 2 Schmiede, 4 Hirten, 1 Stellmacher, 1 Müller,

Pfarrer, Küster, 8 Innenliegerfamilien und auf den Bauernhöfen

Gesinde. Da dürfte die Zahl bei 200 Einwohner nicht zu niedrig sein.

 

1816 45 Häusler, 1 Windmühle insgesamt 301 Einwohner

 

1833/1845-50 Zeit der Separation; Zu den alten Besitzern 8 Häuslerstellen gekommen, aber die Hirten in ihrer Zahl verschwinden. So ist die

Gesamteinwohnerzahl auch um 200.

 

1848 Im Schweinitzer Kreisblatt werden für das Jahr 1848 452 Seelen

angegeben.

 

1867 473 Einwohner davon 128 unter 10 Jahre, 319 können lesen und

schreiben, 23 sind Analphabeten, 1 Blinder und 1 Irrsinniger.

 

1871 66 Wohngebäude, 8 Einzelhaushalte, 100 Familien, 220 männliche

und 256 weibliche Einwohner, also 476 Einwohner.

 

Nun können genaue Zahlen angegeben werden, denn es gibt Unterlagen von den Volkszählungen.

 

1912 - 472 Einwohner

1920 - das Dorf hat 465 Einwohner, das Gut 9 ergibt 474

1926 - 472 Einwohner, " 9 " 481

1928 - 487 Einwohner

1930 - 507 Einwohner

1942 - 502 Einwohner

1946 - 659 Einwohner, davon 288 männliche und 371 weibliche

1949 - 709 Einwohner, nämlich 312 männliche und 397 weibliche. Der hohe Anteil der Frauen ist natürlich auf den Krieg zurückzuführen und die Steigerung um 200 geht auf die Unterbringung der Flüchtlinge zurück. Man bedenke, das trotz der vielen Flüchtlinge nicht mehr Wohnraum zur Verfügung stand. Wie eng wohnen da die Menschen?

 

1955 620 Einwohner, darunter 453 Erwachsene. Wenn ein Absinken zu verzeichnen ist, so kommt das vom Wegzug der Umsiedler. Im Kurheim sind meist 30-35 Leute, die zählen aber nicht zur Einwohnerzahl.

 

1964 570 Einwohner, davon 279 männliche und 291 weibliche

 

1991 - 549 Einwohner

1993 - 803 Einwohner ???

1995 - 710 Einwohner

1997 - 713 Einwohner