Wie sich Kolochau’s Dorfform entwickelte

(Heimatbote 10/1931 v. F. Stoy)

 

Kolochau war in ältester - slawischer Zeit ein Dreieck. Das weite Wiesengelände im Osten und Norden legte sich schützend um die Höfe. Im Westen lehnte sich der Ort an aufsteigendes, fruchtbares Gebiet. Im Süden erhoben sich Sanddünen, die im Mühlberg noch als letzter Rest vorhanden sind, im Hirseberg und den ‚Sandkeiten' abgetragen sind, letztere zu einer Grube ausgefahren, dass ‚Schiemanns Berg' entstand, dass man einen Straßendamm wieder auffahren musste. Sicherlich hatte der Ort, genau wie andere, einst nur einen Fahrweg als Ausgang am Westende, da wo heute das Spritzenhaus steht. Der führte geradeaus ins Feld und schickte eine Abzweigung an der Ortsseite entlang als ‚Weg hinterm Dorfe', der gleichzeitig, weil ihn eine Hecke oder ein Zaun begleitete, als Abschluss der Gärten, als Trennung zwischen Dorflage und Flur diente, eine Schutzwehr war. Das alte Wendendorf war klein. Es war da zuende, wo sich die geteilte, um die Teiche (Pfuhl) gehende, Dorfstraße traf. Dort schnitt auch von Osten her eine Niederung ein und verengte den Platz. Bis dahin ging also der alte Dorfkern. An der Ostseite führte ein Ausgang zum Burgwall, der andere zum Werder. Beide Ausgänge waren so eng, dass sie leicht abends verschlossen werden konnten. Am anderen Dorfende wohnte der Dorfoberste, der Supan, der einen größeren Hof hatte, aus dem später das Gut Anteil I wurde.

 

 Das Dorfbild

 

Für die weitere Entwicklung des Ortsbildes sind vier Zeiten und Stufen zu unterscheiden: 

a) die deutsche Besiedlung

 

Um 1200 kamen deutsche Kolonisten. Sie verdrängten die Wenden zum Teil. Sie setzten sich in ihre Höfe. Sie bauten auch selbst neue Stellen auf. Das kann nur am Ausgang des bisherigen Ortes geschehen. In dieser Zeit bildet sich auch ein Vorwerk, das später zum Rittergut wird. Der Adelige setzt sich auch an das Ende des Dorfes an die Ostseite. Der deutsche Dorfrichter wird neben ihn gesiedelt - Lieberts Garten. Mit der deutschen Kultur kam das Christentum her. Pfarre und Kirche werden nötig. Für sie ist an der Westseite Platz. Die verdrängten Wender bauen sich am Ausgang, vor dem Dorfe, an. Sie werden Knechte, Drescher des Herren. Ihr Wohnplatz war, wo die ‚Drescherhäuser' vom Rittergut Anteil I später lagen. Links von ihnen am Dorfausgang, am Dorftor sicherlich, stand das Hirtenhaus, also ‚vor dem Dorf'.

 

1474 heißt es von Kolochau: ‚Nickel von der Drossel sitzt auf dem Gesesse zu Colochaw mit dreien Hufen, hat im Dorfe 10 Hüfner mit 13 Erbhufen. Der Ort muss sich vergrößert haben. Es werden genannt: 1529 - 21 Hüfner, 13 Gärtner

1542 - 21 Hüfner, 12 Gärtner

1555 - 22 Hüfner, 12 Gärtner

1575 - 18 Hüfner, 12 Gärtner

1672 - 5 Hüfner, 6 Gärtner

 

Die Namen von 1542 können nach einem alten Register angegeben werden. Es zeigt sich bei einem Vergleich mit heute, dass keine Familie von damals sich hat erhalten können. Den weit verbreiteten Namen Lehmann müssen wir dabei ausscheiden. Der Dreißigjährige Krieg hat dem Dorf übel mitgespielt.

I. Hüfner: 1. der Richter - Amtsbezeichnung ist gleich Familienname

2. Simon Kupmann 3. Valten Seinert 4. Jakob Moller

5. Sixtus Fleming 6. Kilian 7. Thomas Krüger

8. Brose Nymann 9. Jores Schmidt 10. Adam Clepitzsch

11. Urban Zweysigk 12. Kigmundt Lehemann 13. Mebis Richter

14. Simon Schütze 15. Peter Moller 16. Hans Zeysigk

17. Merten Lehmann 18. Tewes Winzer 19. Urban Hofmann

20. Wolf Bernt 21. Nisius Schliebener

 

 

 

II. Gärtner: 1. Koel 2. Kayser 3. Urban Mosich

4. Ulrich Richter 5. Lamprecht 6. Hans Wald

7. Jakob Klepitzsch 8. Urban Walde 9. Jacob Droweß

10. Rietz 11. Clemenz Tier 12. Bernhardt Berndt

 

Zählt man die heutigen (1931) Hofstellen auf dem Raum des beschriebenen alten Dorfes zusammen, rechnet man auch noch die späteren Stellen auf den wüst gewordenen Plätzen dazu, so war wohl für alle Platz.

 

b) Die Veränderungen durch den Dreißigjährigen Krieg

 

Sie waren für den Ort von einschneidender Art. Er wurde 1637 vollständig zerstört. Ein zweiter Rittersitz entstand. Wie langsam der Wiederaufbau ging, beweist die Nachricht, dass 1672 erst 5 Leute wieder aufgebaut hatten. Ganz neue Familien waren Hergekommen. Die Adeligen bedrückten dieselben gewaltig. Es lag ihnen gar nicht daran, dass alle Plätze wieder besetzt wurden. So konnten sie die wüsten Stellen einnehmen und ihren Besitz vergrößern. Die wenigen Höfe mögen große Lücken zwischen sich gehabt haben. Kolochau wird so groß wie 1474 gewesen sein.

 

Das Dorfbild um 1820

Das Dorfbild um 1820


c) Der große Brand

 

Das Jahr 1838 war für den Ort ein Unglücksjahr, eine verheerende Feuerbrunst brachte bittere Not. Am Frühjahrsbußtag - es gab früher 2 Bußtage - brach in einem Drescherhaus Feuer aus, als die Gemeinde im Gotteshaus versammelt war. Es wird erzählt, dass ein Mann in der Nacht fischen war. Er wollte die nassen Sachen über ein Feuer trocknen und dabei erfasste die Flamme das niedere Strohdach. Der Wind stand ungünstig, so das das Feuer die Häuserreihen entlang lief. Die Stohdächer boten ihm reichlich Nahrung. Alle Gehöfte außer Kirche und Gut vielen den Flammen zum Opfer. Die Not war groß, zu ihrer Linderung wurden Sammlungen veranstaltet. Es kamen außer Naturalien 366 Taler, 17 Silbergroschen(Sgr) und 2 Pfennig zusammen. Außerdem überwies der Oberpräsident dem Dorfe 193 Tlr. und 7 Pfg. Die Erträge kamen den 41 Abgebrannten zugute. Es hatten Schaden erlitten: 11 Bauerngehöfte, 16 Gärtnergüter und 4 Arbeiter. Außerdem waren das Hirtenhaus und die Schmiede zerstört worden.

 

Aber durch das Unglück kamen Veränderungen. Es verschwand für viele Höfe die alte enge Form. Man dehnte sich mehr zum Garten hin aus. Da aber Ställe, Scheunen und die Wohnhäuser neu errichtet werden mussten, der Bauer aber lieber erst für seine Wirtschaftsgebäude als für seine Behausung sorgte, entstanden die Wohnhäuser alle sehr einfach.

 

Als man zum Wiederaufbau schritt, sollte vermieden werden, dass sich je wieder eine solche verheerende Feuerbrunst auswirken könnte. Es wurde daher bestimmt, dass in gewissen Abständen Lücken bleiben mussten. Diese Lücken sollten Gärten werden. Etliche von ihnen sind ja wieder bebaut worden, andere liegen heute noch als Gärten da. Sechs Bauern hat damals das Los getroffen. Sie mussten den alten Platz abgeben. Leicht mag es ihnen nicht gefallen sein. Von einem damaligen Besitzer wird ja noch erzählt, dass er sich an keinen anderen Bebauungsplan gebunden fühlte. Trotz Verbot stellte er seine neue Scheune auf, die dann doch der Gewalt weichen musste.

 

Die neuen Höfe entstanden am Ausgang des Dorfes. Das durch den dreißigjährigen Krieg schon veränderte Dreieck der Dorflage erhielt einen Strahlenförmigen Ansatz. Die Dorfstrasse verlängerte sich. ‚Prinz Ecke' entstand. Der ursprünglich gegenüber dem kleinen Pfuhl gelegene Dorfkrug - Rödler jetzt Bannat (1931) ??? (2000) bildete den Abschluss an der Herzberg - Luckauer Straße.

 

d) Die neue Zeit

 

- brachte weiterhin eine Umgestaltung der Kolochauer Verhältnisse. Beide Rittergüter gingen als solche ein. Die bäuerlichen Besitzungen vergrößerten sich. Leute, die einst als ‚Drescher' auf den Höfen dienten, machten sich selbständig. Manch einer hat jetzt Pferde. Die Zahl der Besitzer vermehrte sich. Die Äcker wurden in viel bessere Kultur gebracht. Die Gemeinde erstand den Kirschberg als Mergelkuhle. Der Erwerb war von großer Bedeutung, denn nun war ein Mergeln der Moorwiesen möglich, die Torfstecherei hat aufgehört. Die Kolochauer Wiesen sind im besten Zustand. In letzter Zeit stellen sich die Besitzer auf Weidebetrieb um. Von der blühenden Viehzucht redet die Genossenschaftsmolkerei, die Kolochau zu einem Mittelpunkt für die Umgebung machte. Das tut auch der Bahnhof. Zu den führt durch die Sandgruben eine neue Straße. An ihr sind auch neue Wohnhäuser entstanden, selbst am Hirseberg. Hoffen wir, dass sich Kolochau weiter entwickelt.